Pflegekräfte packen aus: Warum kündigen sie? | STRG_F

  • Am Vor 2 Monate

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    Pflegerinnen und Pfleger schmeißen reihenweise hin. Jede dritte Pflegekraft hat im vergangenen Jahr darüber nachgedacht aufzuhören. STRG_F hat einen Aufruf gestartet: Wer plant, seinen Job in der Pflege zu kündigen? Innerhalb von kurzer Zeit haben sich mehr als 150 Pflegerinnen und Pfleger gemeldet. Acht von ihnen hat STRG_F zum Interview eingeladen. Warum wollen sie raus aus ihren Jobs in den Kliniken? Man werde verheizt, habe keine Zeit für die Patientinnen und Patienten, die Zuständige in den Krankenhäusern seien menschenunwürdig, erzählen sie. „Es war ein kontinuierliches Löschen von Feuern, die überall ausbrechen.", berichtet eine Intensivpflegerin. Die STRG_F-Reporterinnen Isabel und Désirée über den Pflegemangel und seine Folgen für uns alle.

    Ein Film von Isabel Ströh, Désirée Marie Fehringer
    Kamera: David Diwiak, Lukas Augustin, Nadja Hübner, Isabel Ströh, Désirée Marie Fehringer
    Schnitt: Marc Peschties
    Grafik: Oliver Ende
    Farbkorrektur: André Bacher
    Redaktion: Lutz Ackermann, Anna Orth

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MrS3R3NITY90
MrS3R3NITY90

Nach 7 Jahren Intensivstation befinde ich mich in Therapie wegen Depression.

cranberry
cranberry

Da ich selber Krankenschwester war und weiß wie Katastrophal es im Hintergrund abläuft, habe ich eine scheiß Angst vor einer notwendigen OP, da ich nach dieser einige Tage im Bett verbringen muss. Es ist so unendlich schade, dass ein so toller Beruf, der einem eigentlich soviel zurück gibt so systematisch zerstört wird. Wenn ich einer weinenden Patientin keine zwei Minuten zuhören darf, weil wieder irgendjemand ins Zimmer kommt und wissen will warum ich solange brauche, da ich in Akkord jeden Patienten abarbeiten muss und das Menschliche komplett über Bord geworfen wird, dann macht einen dieser Beruf zunehmend kaputt .

Anke Melle
Anke Melle

Ein Beitrag zum Aufwachen. Im Feb 2020 lag meine Mutter auf der Onkologie in einer Wiesbadener Klinik. Das Pflegepersonal hat gearbeitet bis zum Umfallen. Ich hab mich damals nur gewundert, wie Menschen so einer Belastung überhaupt standhalten können. Eine Nachtschwester die aufgrund Personalmangels eine ganze Station versorgen musste. Zusätzlich war noch eine geistig verwirrte Patientin untergebracht, die immer wieder in fremde Patientenzimmer hineinging. Ich war mehrere Nächte dort, weil es meiner Mutter sehr schlecht ging und das Pflegepersonal es begrüßt hat, dass ich mich um meine Mutter gekümmert habe. Sie hätten die Zeit nicht gehabt. Die Sorgen des Pflegepersonals wurden in etwa gleich beantwortet: „Wer sich dem Beruf nicht gewachsen fühlt, muss eben gehn“. Das fand ich damals schon die größte Unverschämtheit. Es waren alles Pflegekräfte, die sich aufgeopfert haben für ihre Patienten. Dann fühlt sich so eine Antwort wie Hohn an. Wertschätzung sieht anders aus. Diese Menschen arbeiten sich kaputt und werden vom Gesundheitssystem ausgenutzt. Natürlich kann jeder Mensch aus der Pflege gehn, aber es muss schon viel passieren, bis jemand sich entscheidet seine Patienten im Stich zu lassen, um nicht selbst zugrunde zu gehn. Im Gegensatz zur Managerebene, haben diese Menschen direkten Kontakt zu Menschen in Not, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Unsere Menschlichkeit verbietet uns, andere in Not, im Stich zu lassen.Wir müssen helfen, wenn wir im direkten Kontakt zu einer hilfsbedürftigen Person stehen. Dieser Umstand, diese Menschlichkeit, wird brutal vom Gesundheitssystem ausgenutzt. Danke dass ich das loswerden durfte. Hier hab ich das Gefühl gegen Windmühlen zu kämpfen. Möge sich bald etwas grundlegend ändern, zum Wohle der Pflegenden und der Patienten mit ihren Angehörigen 🙏🏼

Havva Danyildiz
Havva Danyildiz

Ich bin seit 26 Jahren in diesem beruf

Lene Dittberner
Lene Dittberner

Danke für den tollen Beitrag. Das ist so wichtig, das darüber gesprochen wird und etwas passiert. Ich habe vor 17 Jahren mein Examen gemacht und eine Fachausbildung absolviert. Hab im Hospiz, lange Zeit auf Intensivstation und in der Notaufnahme gearbeitet/arbeite. Ich selbst bin 6. Jahre komplett aus der Pflege raus und hab mich beruflich umorientiert. Durch Corona musste ich wieder zurück in die Pflege da ich meine freiberufliche Tätigkeit nich mehr ausüben durfte. Es ist noch schlimmer als damals, als ich gegangen bin. Derzeit schließen wir Stationen aufgrund von Personalmangel und Speeren Betten. Es ist alles so enttäuscht von der Politik und in meinen Augen auch eine Frechheit das nur von Impfungen, Impfpflicht und Panik macherei die Rede ist. Die Befindlichkeiten von uns Pflegekräften wird völlig außer acht gelassen. Und ich schließe mich den Kollegen in eurem Film vollstens an mit ihren Aussagen. Man wird den Patienten nicht mehr gerecht und wir schieben z.t. auch Doppelschichten um die ZNA oder andere Stationen besetzen zu können. Ich hab damals schon gesagt,das ich nur drauf warte das es eskaliert. Es eskaliert und wird immer noch nicht wahrgenommen. Wie bitter und peinlich das sich kein Politiker dazu äußert und ich finde es wirklich beschämend wie da mit uns umgegangen wird.

Beyond Limitation - Heike Christina Jekel
Beyond Limitation - Heike Christina Jekel

1998 habe ich eine Krankenpflegeausbildung gemacht und damals habe ich noch sowas wie aktivierende Pflege gelernt, es hat in etwa dem entsprochen, was ich mir unter Pflege vorgestellt habe. Zeit für die Menschen, da sein, sie auf dem Weg zur Gesundung begleiten.

Trude Krause
Trude Krause

Was Pflege-Dokus leider NIE schaffen darzustellen: Wie schlimm es wirklich ist! Immer wenn Pflegekräfte bei der Arbeit gefilmt werden spiegelt es überhaupt nicht wieder wie schlimm manche Schichten sein können, was für Auswirkungen es auf das private Leben der Pflegekräfte hat, was für Ausbeutung es im Endeffekt ist.

Master of Desaster
Master of Desaster

18 Jahre habe ich im OP als Assistenz am Tisch gestanden. Bin immer geblieben bis "Nahtende" ( Wundverschluss an Ende der OP), auch wenn das Stunden nach meinem Feierabend war. Rufbereitschaftsdienste, Einspringen, freie Tage verschieben...

Benjamin Kühn
Benjamin Kühn

War ganz überrascht eine Reportage von euch zu sehen, die tatsächlich nicht alles auf Corona schiebt und einen Rundumblick auf die Problembereiche dieses Berufsfeld bietet. Weiter so! Vielen Dank für eure Arbeit.

Maori Chilly
Maori Chilly

Vielen Dank für den Film! Ich bin keine Pflegekraft und arbeite als MTRA in der Radiologie. Was die Plegenkräfte erzählen kann ich voll nachvollziehen. Auch wir standen dieses Jahr kurz davor, ob wir aus Personalmangel das MRT schließen müssen, die Angiografie oder keine Röntgenuntersuchungen nach OP mehr machen. Ebenso ist das Personal für die Nachtdienste knapp. Die Radiologie nicht zu besetzen (vor allem kein Röntgen, kein CT) würde bedeuten dass mindestens die Notaufnahme und die Intensivstationen schließen müssen.

Ronald Friedrich
Ronald Friedrich

Ich "durfte" die wohl letzten Stunden eines Angehörigen auf der Intensivstation begleiten und habe dort genau das erlebt, was die Pfleger in dem Film schildern. Es war imponierend zu sehen, was für einen Job die da machen, aber gleichzeitig erschreckend wie gehetzt die waren. Die haben sich gegenseitig untersützt so gut es geht, aber es war offensichtlich, dass die am Limit waren! Ich habe denen am Schluss eine dicke Torte gekauft. Diese Leute brauchen viel bessere Arbeitsbedingungen! Das sollte sich der Gesundheitsminister zur Aufgabe machen aber naja egal...

Eva
Eva

Meine Cousine und eine gute Freundin arbeiten als Krankenschwestern.... was die beiden mir schon erzählt haben ist absolut beängstigend. Man muss die Gesundheit wieder mehr in die eigene Hand nehmen um dort nicht zu landen. Es ist furchtbar was dort passiert, der Personalmangel ist ganz klar das Problem

Johannes K
Johannes K

Danke für die Reportage. Ich arbeite als Arzt in einer kommunalen Klinik und beobachte das gleiche Stimmungsbild bei unserer Pflege. Egal ob Notaufnahme, Station, Intensiv, OP: Top ausgebildete, motivierte PflegerInnen verlassen den Pflegeberuf als letzten Rettungsanker für ihre geistige, körperliche und soziale Gesundheit und hinterlassen eine Lücke die nie wieder geschlossen wird. Das "Restteam" versucht zu kompensieren und so befinden wir uns seit einiger Zeit in einer Abwärtsspirale die durch Personaleinsparungen der Krankenhausträger noch katalysiert wird. Der Grund dafür ist ebenfalls sehr treffend von eurem Reporterteam herausgearbeitet worden: Ein Vergütungssystem in welchem gewinnmaximierend arbeitende Kliniken belohnt werden. Mich überrascht dass sich der Vorsitzende der DKG überhaupt euren Fragen stellt. Die hier gezeigten Schicksale als Einzelfälle abzutun und auf die Politik zu verweisen, ist leider das Einzige, was ihm argumentativ übrig bleibt.

Monika Ibovnik
Monika Ibovnik

Ich habe die größte Achtung vor all diesen Menschen. Danke allen für ihren bisherigen Einsatz und auch danke für diesen Beitrag. Diese Menschen übernehmen Verantwortung, was ich bei unseren Politikern vermisse. Da stellt sich die Frage: Wer sollte welches Gehalt bekommen? Dies müsste Pflichtlektüre für Klabauter.... und Co sein.

Corinna Straubinger
Corinna Straubinger

Nach 16 Jahren habe ich letzten September meinem Beruf den Rücken gekehrt. Unser Pflegesystem geht immer weiter in die absolut verkehrte Richtung.

M. A. Kamara
M. A. Kamara

Ich habe dieses Jahr meine Ausbildung zum Pflegefachhelfer abgeschlossen und werde mir im September was anderes suchen.

JosefTiberius
JosefTiberius

Danke für das wirklich essentiell wichtige Thema- bin selber seit fast 25 Jahren in der Medizin tätig, daher kann ich sagen: alles was heute problematisch ist, war vor 20 Jahren leider genau so!

PwRSplinter
PwRSplinter

Schade das in die meisten Dokus immer nur Intensivstationen begleitet werden. In der Peripherie geht es auch schlimm zu. Das sollte man nicht vergessen.

tolgahan gültekin
tolgahan gültekin

Weiter so! Bis der letzte nicht gekündigt hat, wird sich auch nichts ändern.

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